Corona-Pandemie verschärft die Situation von hilfesuchenden Frauen

Fotografin: Angelika Aschenbach

„Die prekäre Situation der hessischen Frauenhäuser verschärft sich aktuell durch die Corona-Pandemie weiter“, warnte die frauenpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Lisa Gnadl, am Montag in Wiesbaden. Es gebe bereits Hilferufe einiger hessischer Schutzeinrichtungen, die schon vorher an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt waren und nun mit Beginn der Corona-Krise täglich Frauen abweisen und an die Polizei verweisen müssten.

Dass sich insgesamt die Situation für von Gewalt bedrohten Frauen durch die Corona-Pandemie verschärfe, habe sich bereits in China gezeigt. Durch die Ausgangssperren sei dort eine deutliche Zunahme von häuslicher Gewalt beobachtet worden. Der Landespräventionsrat befürchtet Ähnliches für Hessen. Hinzu käme, dass die meisten Hilfseinrichtungen und Beratungsstellen aufgrund der Infektionsgefahr geschlossen hätten und bestenfalls eine telefonische oder eine Online-Beratung anbieten würden. Doch längst nicht alle Einrichtungen seien technisch dafür ausgestattet.

„Die aktuelle Situation zeigt einmal mehr, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Wir brauchen zum einen grundsätzlich mehr Gelder für eine Erweiterung der Kapazitäten unserer Frauenhäuser in Hessen sowie den Schutz von bedrohten Frauen und ihren Kindern insgesamt. Außerdem benötigen wir eine schnelle und unbürokratische Notlösung für die Zeit der Corona-Pandemie“, mahnte Gnadl. Sie wies zudem auf die große Infektionsgefahr für Frauen und ihre Kinder in den überfüllten Frauenhäusern hin. „Wir müssen kurzfristig räumliche Entlastung schaffen. Eine kurzfristige Möglichkeit wäre, Frauen in den derzeit landesweit leerstehenden Hotelzimmern unterzubringen. Das reduziert die Infektionsgefahr in den Frauenhäusern und schafft Kapazitäten für weitere Opfer von häuslicher Gewalt“, so Gnadl. Dabei müsse die Landesregierung die Kommunen unbürokratisch finanziell unterstützen.

Ärzte befürchten unterdessen, dass die Einschränkungen in Beratungsstellen, Arztpraxen und Kliniken dazu führen könnten, dass ungewollt schwangere Frauen zu unsicheren Abreibungsmethoden griffen. „Wir müssen alles tun, um die Hilfen und die Versorgung von Frauen in Notsituationen auch in der Krise aufrecht zu erhalten. Deshalb appellieren wir an die Hessische Landesregierung jetzt zu handeln und schnelle Hilfe zu leisten“, so Gnadl.