„Erfolgreiche Waldwirtschaft, heimische Arbeitsplätze und nachhaltige Ökologie dienen der Wetterau“

Auf dem Foto: Schaaf, Gnadl, Reißmann, Stadler

Bei ihrem Gespräch mit Forstamtsleiter Bernd Reißmann und Produktionsleiter Werner Schaaf stellten die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl und der Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Marcus Stadler schnell gemeinsame Ziele fest: „Die Waldgebiete in der Wetterau sind nicht nur ein wertvolles Gut für Mensch und Natur, sie bieten ökonomischen Ertrag und ökologischen Nutzen, den wir nachhaltig erhalten müssen.“
Amtsleiter Reißmann stellte die laubwaldgeprägten Gebiete seines Forstamtes von Bad Vilbel bis Ober-Seemen vor, führte dabei auch die Entwicklung der Baumarten und ihre Bedeutung für einzelne Tierarten und den Erhalt der Artenvielfalt aus. „Selbst die Fichte brauchen wir zur Erhaltung von Vogelarten, wie zum Beispiel dem Schwarzspecht“, so Reißmann.
Eine Gesamtwaldfläche von etwa 18.000 ha Wald, davon etwa die Hälfte in kommunalen Besitz, dazu etwa 6.000 ha Staatswald und 1100 ha Privatwald werde von insgesamt 11 Revierförstereien betreut. Derzeit arbeite man im Staatwald mit einem Forstwirt pro 1.000 ha Wald. Von Gnadl und Stadler sehr kritisch beurteilt wurde der Umstand, dass durch die Landesregierung bis zum Jahre 2025 eine Reduzierung des Personals um 14 Prozent drohe. „Die Aufgaben der Forstämter sind sehr vielfältig. Von der Waldbewirtschaftung, der Aufforstung, der nachhaltigen Holzproduktion, über die Jagd bis hin zum Umwelt- und Naturschutz – all das wird von den Mitarbeitern des Forstamtes Nidda hervorragend geleistet. Wenn wir auch in Zukunft noch intakte Wälder haben wollen, dann dürfen wir nicht in der Fläche bei den Forstämtern Personal abbauen“, so die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl. „Den Personalschlüssel bei wachsenden Aufgaben weiter zu drücken, heißt die Zukunft unserer Wälder kurzsichtig zu gefährden“, meint die SPD-Abgeordnete.
Zu den Aufgaben des Forstamtes zählt es, den Waldbesitzern die Wildschäden zu melden. Bernd Reißmann stellte die Bedeutung des Erhalts der Naturverjüngung aller Baumarten heraus: „Durch unkontrollierten Rehverbiss kommt es schnell zur Artenarmut in unseren Wäldern, da sie sich gerne die selteneren Arten schmecken lassen und die Buchen stehen lassen“. Für ihn sei deshalb die Jagd als gemeinwohlorientierte Leistung in unserer Kulturlandschaft zu bewerten, die unbedingt im ausreichenden Maß erfolgen müsse. Marcus Stadler stellte im Gespräch dar, dass die Grünen das Ziel einer Ökologisierung der Jagd nach modernen biologischen Erkenntnissen verfolgen, um den Konflikt zwischen Tierschutz, Jagd und Forst beizulegen. Forstamtsleiter Reißmann machte dahingehend den Vorschlag, dass neben der Jagdausbildung durch den Jagdverband künftig eine Ausbildung durch Hessen-Forst zur Jagdscheinerlangung mit anschließendem Begehungsschein im Staatswald eine wünschenswerte Ergänzung darstellen könnte, um die Ausbildung zum Jäger auf breitere Basis zu stellen. Produktionsleiter Schaaf ergänzte: „Die Jagd ist eine alte Tradition, diese muss aber den Zweck dienen, den Wald zu schützen.“
Gnadl und Stadler zeigten sich beeindruckt von der Vielfalt der Aufgaben des Forstamtes, neben der Holzproduktion der Naturschutz mit Betreuung der 37 Naturschutzgebiete, der Jagd mit der Vermarktung von jährlich etwa 500 Stück Wild und der Sonderaufgaben wie Förderberatung von Privatwaldbesitzern auf einer Fläche von ca. 17.600 ha, Beratung der Kommunen bei Kompensationsmaßnahmen und anderem. Leitbild des Waldmanagements im Forstamt sei, die drei tragenden Säulen Ökonomie, Ökologie sowie soziale Leistungen für die Gesellschaft immer in Einklang zu bringen. Bei unausweichlichen Zielkonflikten hat die Ökologie Vorrang vor der Ökonomie. „Nach der großen Reform bei Hessen-Forst in 2005 würde eine weitere Reduzierung des Personalstandes auf Dauer die Erfüllung der vertraglichen Basisaufgaben nicht gewährleisten“, ist sich die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl sicher.
Eine andere rein am Gewinn orientierte Nutzung des Waldes durch Holzverkauf sei nicht im Sinne der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes und heißt die Zeichen der Zeit zu missdeuten, bekräftigte Stadler: „Wenn wir die Klimaziele des Bundes mit einem Minus von 30% CO2 bis 2020 erreichen wollen, müssen wir unsere Wälder durch Aufbau von Biomasse im Bestand und organischer Substanz im Boden zu CO2-Senken aktiv umgestalten. Dieser Zusatzgewinn für die Gesellschaft bedeutet mehr Arbeit für den Forst und muss vom Staat und uns Bürgern unterstützt werden, auch finanziell.“ Darüber hinaus sprachen sich die Gesprächsteilnehmer klar gegen den Verkauf von Staatswäldern aus. Kritisch diskutiert wurde, dass gegen geringe Gebühr Leistungen für die Beförsterung von großen Privatwäldern erbracht werde. Dies sei aus Sicht der Politiker nur bei kleinen Privatwaldflächen sinnvoll. Dort, wo sich ein Privatwald wirtschaftlich trage, müsse dieser auch nicht weiter staatlich subventioniert werden, kommentierte Stadler.
Sehr interessiert waren die Besucher am Einsatz von Rückepferden; hier arbeite das Forstamt Nidda mit dem kombinierten Einsatz von neuen Pferden aus der Region, welche die motorisierten Rückefahrzeuge durch Vorkonzentration des Holzes unterstützen – was besonders ökologisch und auch ökonomisch sehr sinnvoll sei. „Eine wertvolle Rückbesinnung auf alte Methoden, die Arbeitsplätze im ländlichen Raum schafft“, meint Gnadl.
Lisa Gnadl und Marcus Stadler dankten dem Amt abschließend beeindruckt: „Es bleibt zu wünschen und zu unterstützen, dass die erfolgreiche Arbeit fortgesetzt werden kann und zukünftig die angemessene Wertschätzung durch die Politik erfolgt, damit uns der Wald nachhaltig erhalten bleibt. Dafür stehen SPD und Grüne bei der Landtagswahl am 22. September.“